Beim „Dialog-Forum“ trafen sich 2018 in Bukarest zwölf Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) aus sieben europäischen Ländern. Bei ihrer zweiten internationalen Konferenz diskutierten sie Strategien für erfolgreiche Außendarstellung und Fundraising sowie über den Themenkomplex Migration, Menschenhandel und Armut. Sie vereinbarten wechselseitige Projektbesuche, konkreten fachlichen Austausch und nachhaltige Vernetzung.

Yes, We Care! – Internationale NGO-Konferenz in Bukarest

Mit dem 2017 gestarteten und aus Mitteln der Nordkirche finanzierten „Dialog-Forum“ fördern die Diakonien aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gemeinsam die Zusammenarbeit von NGOs (Non-Governmental Organizations – Nicht-Regierungs Organisationen) in Europa. Das entstehende Netzwerk bewährt sich bereits.

Hohe Aufmerksamkeit erzeugte der integrierte Fundraising-workshop mit Tom Neukirchen. Fotos: Henze

Rumänien: Aus- und Einwanderung, Transit, Rückkehr

Fach- und Leitungskräfte aus Deutschland, Rumänien, Polen, Litauen, Estland, Lettland und Russland sprachen beim zweiten Dialog-Forum vom 18.-21. September 2018 in Bukarest über Migration, Menschenhandel und Armut. Sangeeta Fager (Diakonisches Werk Hamburg), Bernd Hannemann und Sabine Thommessen (Diakonisches Werk Schleswig-Holstein), Tatjana Stein und Julia Reichhardt (Diakonie Mecklenburg-Vorpommern) waren aus Deutschland dabei.

Bukarest erwies sich als klug gewählter Konferenzort, denn Rumänien erlebt mehrere Wanderungsbewegungen zugleich. Seit Jahren verlassen viele Rumäninnen und Rumänen ihre Heimat, gehen dabei oft hohe Risiken ein. Menschenhandel und Arbeitsausbeutung sind zu einem massiven Problem geworden.

Unterwegs in Bukarest

Die einen gehen, die anderen kommen: Geflüchtete vor allem aus Syrien, Irak und Afghanistan gelangen über das Schwarze Meer nach Rumänien. Die meisten wollen gleich weiter. Für manche wird das Transitland dennoch zum Aufnahmeland. Wie geht es Geflüchteten in Rumänien? Welche Unterstützung erhalten sie? Wie werden sie von der Bevölkerung aufgenommen? Darüber konnten sich die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer unmittelbar selbst ein Bild machen: Gastgeber der Konferenz war die Organisation „AIDRom“, die Migranten und Geflüchtete in Rumänien unterstützt. Zum Sitz der NGO gehört neben Geschäftsstelle und Tagungsräumlichkeiten ein Wohngebäude für Geflüchtete. Einige der Klienten waren bereit, am Rande der Konferenz über ihre Situation zu sprechen. Damit war die Tagung von Anfang an mitten im Thema.

Das Team des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein (von links): Ann-Christin Hasselmann, Bernd Hannemann und Sabine Thommessen

Projektbesuch: Unterstützung für Opfer von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung

Manche Migranten finden in Westeuropa Arbeit auf dem Bau, in der Altenpflege oder als Haushaltshilfen. Viele erleben dabei Ausbeutung, sie arbeiten zu schlechten Bedingungen, erhalten teilweise ihren Lohn nicht, einige landen in der Prostitution, andere auf der Straße. Viele kehren irgendwann mittellos zurück nach Rumänien. Um die Opfer, die mittellos, traumatisiert, krank ins Land zurückkehren, kümmern sich bisher vor allem NGOs und erhalten dafür nur wenig staatliche Unterstützung.

Wie gehen die rumänische Gesellschaft und rumänische NGOs mit dem Thema um? Die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer lernten bei einer Exkursion die Arbeit einer weiteren rumänischen NGO kennen: „Adpare“ hilft Rückkehrenden mit medizinischer Versorgung und psychologischer Beratung. In einer Wohngemeinschaft können sie vorübergehend wohnen. Die Klientinnen und Klienten erhalten je nach Bedarf Krisenintervention, Gruppentherapie, HIV-Test und Aufklärung sowie Rechtsberatung und Bildungsangebote. Die Arbeit von Adpare wird von der Regierung unterstützt, doch der Löwenanteil der Arbeit wird über Spenden und EU-Projekte finanziert.

Ein Flüchtling erzählt.

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